Grimmels Abenteuer

Hinter all den Dörfern und Städten, ganz weit draußen, dort wo kaum ein Menschenfuß die Erde berührt hat, liegt eine Wiese. Sie ist umgeben von Wald und ganz versteckt aber doch ist sie groß und reichlich und beherbergt die buntesten Blumen, die schillerndsten Schmetterlinge und Vögel, die auf den alten Bäumen, die hier überall stehen, nisten und brüten. Diese Bäume sind einst durch vom Wind verwehte Samenkörner gesät worden und man sieht ihnen an, dass eine besondere Aura sie umgibt. Warum das so ist? Vielleicht weil der Wind den Samenkörner einst ein besonderes Geheimnis mit auf den Weg gegeben hat. Und worin dieses Geheimnis liegt? Nun ja, es sind eigentlich ganz normale Bäume, die nur etwas knorriger und wilder aussehen, als wir das im Allgemeinen kennen. Aber das besondere liegt streng genommen unter ihnen. Den hier unter der Erde, zwischen den Wurzeln, da hausen die Grammies. Die Grammies sind eine Art Baumzwerg. Sie können überall dort wohnen, wo es Bäume gibt. In einer Steppe, wo es nur Sand und Erde gibt, da würde kein Grammie hinwandern. Ein Grammie braucht seine Bäume und seine Wurzeln, aber auch seine Äste, die er erklimmen kann und die ihm das Tor zur Welt sind. Man kann aber schon sagen, dass die Welt eines Grammies sein Baum ist. Sogar er selbst sieht aus wie ein kleiner Baum. Sein Körper ist ein winziger Stamm, mit Ästen dran, die als Arme dienen. An den Fingern hat er einzelne Blätter aber auch an den Armen sprießen Blätter und im Frühling auch mal ein Blümchen.

Von der Hüfte abwärts winden sich Wurzeln bis zum Boden, die dienen den Grammies als Beine. Der Kopf sieht aus wie eine große Knospe, wenn die Grammies jung sind. Im Laufe ihres Lebens bildet sich aus der Knospe eine Blume, die bei jedem Grammie anders aussieht. Diese Blume ist auch eine Art Emotionsmeter, denn seine Gefühle kann ein Grammie vielleicht für sich behalten, aber seine Blume zeigt genau an, wie es ihm gerade geht. Denn diese Blüte verhält sich wie eine richtige Blume, nur dass sie sich nicht durch das Wetter der Natur verändert. Ihr Wetter sind die Stimmungen ihres Besitzers. Wenn ein Grammie fröhlich ist, dann strahlt und leuchtet die Blüte in voller Pracht, wenn er wütend ist verschließt sie sich und wenn er traurig ist, dann hängen ihre Blütenblätter und fallen ihm über sein Gesicht.

Normalerweise verlassen die Grammies ihren Baum nicht aber bei diesem einen Baum, gab es einen Grammie der sich nicht mit dem Baum als Welt zufrieden geben wollte, sehr zum Leidwesen seiner gesamten Familie versteht sich.

“Aber Grimmel” (so hieß dieser eine besondere Grammie) “was soll nur aus dir werden, wenn du nicht anerkennst, dass wir niemals unseren Baum verlassen.” Klagten die Eltern und schlugen die Hände über dem Kopf zusammen.”

“Das ist mir egal was dann aus mir wird!” Grummelte Grimmel.

“Mir ist es hier viel zu fade und zu monoton, das Leben ist mir hier viel zu langsam. Ich muss raus in die Welt! Ich will auf Adlern fliegen und auf Löwen reiten, denn so stelle ich mir meine Welt vor!”

Als Grimmel diese Worte sprach, konnte man sehen wie sich innerhalb von Sekunden das Gesicht seines Vaters Grammel verdunkelte. Seine eben noch milden Gesichtszüge verzogen sich in die entgegengesetzte Richtung, seine Augen und Mund wurden enger und noch bevor Grimmel bemerken konnte, was da in seinem Vater los ist, holte dieser aus und watschte seinem Sohn eine Ohrfeige auf die linke Wange.

“So sprichst Du nicht über diesen Ort!” Erhob der Vater nun seine Stimme.

Völlig verdattert und mit Tränen in den Augen stand Grimmel mit offenem Mund da und hielt seine Wange.

“Alle Generationen dieser Familie haben hart dafür gearbeitet, dass wir hier so sicher und so gut leben können und das darf auch so ein Jungspund wie Du es bist nicht einfach kaputt machen! Merke Dir das mein Sohn. Und damit du lernst, wie ernst mir das ist, darfst du dein Zimmer für die nächsten 6 Tage nicht mehr verlassen! Deine Schwestern werden dir Essen bringen und Dich zur Toilette begleiten.”

“Aber Papa…”

“Kein Wort mehr Sohn! Das ist mein letztes Wort! Und nun geh!”

Grimmel ging, mit hängender Kopfknospe, begleitet von seinen 4 Schwestern, auf sein Zimmer. Seine Schwestern versuchten ihm gut zuzureden, dass der Vater sich sicher bald besinnen würde und ihn dann doch früher heraus lassen würde. In 5 Tagen war schließlich das große Frühlingsfest, das durfte eigentlich kein Grammi verpassen. Aber Grimmel antwortete nicht. Stumm setzte er sich auf sein Bett und blieb erst einmal völlig reglos sitzen. Zu groß war der Schock, denn so hatte er seinen Vater noch nie erlebt. Anfangs dachte er auch kaum. Sein Kopf war so erstarrt, dass selbst mit seinem quirligen Geist kein Gedanke zu Stande kommen wollte. Aber mit der Zeit und langsam wie eine Blume die sich langsam und behutsam ihren ersten Weg im Jahr, durch den Schnee zur Sonne sucht, so krochen auch seine Gedanken zu ihm zurück. Und als er auch wieder fähig war sich ganz langsam zu bewegen, raschelte es an seinem Fenster. Erschrocken wand er sich um und schaute, wer oder was sich dort zu schaffen machte. Er riss die Fenster auf und streckte seinen Kopf nach draußen.

“Wer ist da?” Grimmel wollte ganz mutig klingen, aber das gelang ihm unter all den Umständen nicht so richtig.

“Piep, piep.” Hörte er leise hinter der großen Wurzel, die sich um Grimmels Fenster zog.

“Ja hallo, ist da ein Mäuschen was da piepst?” Langsam erlangte Grimmel seine Sicherheit und seinen Mut zurück.

“Piep, piep, ja ich bin eine Maus aber nenn mich nicht Mäuschen! Ich bin doch nicht dein Spielzeug.”

“Oh entschuldige bitte liebe Maus, ich wollte nicht beleidigen. Wie heißt du denn? Ich bin der Grimmel.”

“Mein Name ist Tilda und ich bin wohl falsch abgebogen. Ich bin auf dem Weg zur großen Wiese, da ist unter der 100 jährigen Eiche ein Mause-Treffen. Da trifft sich meine ganze Familie. Wir haben uns alle so lange nicht gesehen. Viele meiner 200 Geschwister, ebenso wie ich, leben ja schon lange nicht mehr hier. Wir sind überall hin verstreut, aber unter dieser Eiche sind wir alle geboren und meine Eltern wohnen noch immer dort. Nun ja und da ich den Weg schon lange nicht mehr gegangen bin, durch all die Tunnel, da hat sich schon einiges verändert und die eine Abzweigung bin ich dann eben falsch abgebogen und hier gelandet. Da sah ich Dein Fenster und dachte ich schaue mal ob dahinter jemand ist, der mir zeigen kann wohin ich muss.”

“Ja hallo Tilda, es freut mich dich kennenzulernen. Ich kann dir den Weg gerne zeigen. Die 100 jährige Eiche ist nicht weit von hier und zählt zu einer unserer Grenzen.”

“Was meinst du mit Grenzen?”

“Tja, wir sind Grammies und als Grammie darf man sich nicht weit von seinem Baum entfernen und die Eiche ist eben genau die Entfernung, die noch gestattet ist.”

“Wie? Ihr dürft nirgends wo hin? Immer müsst ihr hier bleiben? Aber das ist ja schrecklich!” Piepste Tilda ganz erregt.

“Wem sagst du das, erst heute morgen hatte ich einen heftigen Streit mit meinem Vater deswegen. Ich habe ihm gesagt, dass ich fort von hier möchte, die Welt sehen um zu sehen was es noch alles gibt. Aber er hat mir eine Backpfeife gegeben und mich in mein Zimmer verbannt. 6 Tage lang, dabei ist doch in 5 Tagen das große Grammie Fest. Da darf kein Grammie fehlen. Denn an diesem Tag entscheidet sich für die jungen Grammies, wen sie als Lebenspartner bekommen werden und dieses Jahr gehöre ich dazu.”

“Ach du großer Schreck, das ist wirklich grausam. Aber da kann dein Vater dich nicht ausschließen!”

“Weißt du was Tilda, selbst das ist mir im Moment ganz egal! Ich will hier nur weg! Kannst du mich denn nicht mitnehmen? Wenigstens bis zur alten Eiche?”

Tilda legt die Stirn in Falten. Sie wusste, dass das nicht die allerbeste Idee war. Aber nach einer Zeit nickte sie.

“Gut, dann komm. Aber erwähne hinterher nicht mehr meinen Namen.”

“Versprochen.” sagte Grimmel und so stieg er auf Tildas Rücken und lotzte sie durch die unterirdischen Erdgänge hinaus an´s Licht. Als sie aus der Erde kamen empfing sie strahlender Sonnenschein und eine angenehme Brise wehte.

Grimmel wollte sich gerade bei Tilda bedanken als sich der Himmel partiell verdunkelte und ein lautes: “Uiiiiiiiiiii” zu ihnen herab stürzte. Es war ein Adler, der seine Klauen zum Fangen bereit ausgestreckt hatte. Tilda konnte sich schnell in das Loch zurück verstecken aber Grimmel konnte nicht mehr reagieren und so schnappte ihn der Adler mit seinen Klauen und trug ihn davon.

“Tiiiiiiiildaaaaaaa…” Schrie Grimmel noch und auch Tilda kam aus dem Loch geklettert und streckte ihre Pfoten in den Himmel.

“Griiiiiiimmeeeeeel.”

Schon wieder verfiel Grimmel in eine Schockstarre. Was war das bloß für ein Tag? Aber er hätte nichts besseres machen können, denn dadurch das er jetzt so starr war, entglitt er dem Adler aus den Klauen und fiel hinab, genau in einen vorbeifahrenden Porsche Cabrio. Plumps landete er auf dem Rücksitz. Am Steuer saß niemand geringeres als Barack Obama und aus dem Radio tönte “We are the champions” von Queen. Neben ihm saß Michele mit einem hinreissenden Sommerkleid bekleidet, an den Füßen aber trug sie Badeschlappen, was so gar nicht zusammen passen wollte. Aber auch Barack war merkwürdig bekleidet. Er hatte einen Regenmantel an und trat mit Cowboy Stiefeln aufs Gas. Und als wäre das nicht schon sonderbar genug, unterhielten sie sich, ob sie gleich lieber Walken sollten oder sich doch lieber in Kampfkunst üben wollten.

Aber mit all dem konnte Grimmel nichts anfangen. Er kannte weder die Personen noch das Lied, außerdem war er gerade mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Wo zum großen Waldgeist war er hier gelandet und was war das für ein Krach? Und warum flog die Welt an ihm vorbei? Ihm wurde ganz schwindelig dabei.

Um sich abzulenken schaute er sich um. Neben ihm stand ein riesiges Korb-Gebilde. Es war fast doppelt so hoch wie er und darin lagen bunte Früchte. Er kannte diese Sorte Früchte, denn in viel kleinerer Version wuchsen sie auch auf der Wiese, wo sein Heimatbaum stand. Es waren Erdbeeren und Mirabellen. Mirabellen mochte er nicht, aber Erdbeeren liebte er und so machte sich Grimmel daran, in den Korb zu klettern. Das war gar nicht so einfach, da es ruckelte und schaukelte und der Wind von allen Seiten so bließ, wie wenn ein Sturm durch den Baum zog. Aber als Grimmel endlich oben angekommen war und sich an der ersten Erdbeere zu schaffen machte, wurde es plötzlich windstill. Es machte “Klapp” und noch einmal “Klapp” und dann wurde es auf einmal hell neben ihm. Vor ihm standen 2 riesige braune Gestalten und bückten sich nach dem Korb in dem er saß. Grimmel versuchte sich ganz nah an den Rand zu pressen, damit ihn die beiden Riesen nicht entdeckten. So hob der Korb sich empor und wurde davon getragen, in ein riesiges Gebäude. Grimmel konnte durch die Korbflechten hindurch schauen und sah, wohin der Korb sich bewegte. In dem Gebäude standen hunderte von Blumen und Pflanzen und auf einem Podest, auf dem unzählige Orchideen standen, wurde der Korb abgesetzt. Grimmel hörte, wie sich die Riesen unterhielten und sich dann langsam entfernten. Als die Stimmen nur noch ganz leise waren, traute er sich sein Versteck zu verlassen. Er lugte über den Rand des Korbes hinaus, den Riesen hinterher.

“Hallo?” Hörte er da plötzlich eine feine ängstliche Stimme.

Verdutzt schaute er sich um. Zuerst konnte er niemanden sehen.

“Wer ist denn Hallo? Ich sehe dich nicht.”

“Na hier in der großen blauen Orchidee.” sagte die Stimme. Und wirklich, dort in der Orchidee stand tatsächlich ein Grammiemädchen. Ihre Knospe war von einem hellen leuchten Grün und man konnte sehen, dass die Blume dir dort einst erblühen würde, einen roten Anteil haben würde. Grimmels Blume würde einst türkisblau werden. Aber die Knospe des Grammie-Mädchens war auch verknittert und blass, woran Grimmel sehen konnte, dass es ihr nicht sonderlich gut ging.

“Ja hallo, wer bist du und wie kommst du hierher? Dir geht es nicht gut, das sehe ich an deiner Knospe nicht wahr?” Grimmel sah sie mitfühlend an.

“Ich bin Grimmi und wurde von einem Vogel verschleppt.” Als sie diese Worte sprach fing sie an zu schluchzen.

“Das gibt es ja nicht!” rief Grimmel aus. “Genau so wie ich.”

“Wirklich?” Schluchzte die kleine Grimmi. “Bist du auch auf einen Spatz gestiegen und der hat dich auf und davon getragen?”

Mit großen Augen sah Grimmel Grimmi an und dann fing er laut an zu lachen.

“Was hast du gemacht? Du bist auf einen Spatz gestiegen? Dann bist du aber ganz schön mutig.”

“Nein, ganz schön dumm bin ich, dass ich sowas gemacht habe! Ich wollte nur nochmal etwas erleben, bevor ich in 5 Tagen jemandem versprochen werde. Es kann doch einfach nicht alles sein, immer nur dieser Baum. Einmal nur wollte ich ein Abenteuer erleben, bevor das ernste Leben beginnt.”

“Jetzt verblüffst du mich schon wieder!” Sagte Grimmel. “Genau so ging es mir auch. Ich hatte einen Streit mit meinem Vater, weil ich ihm sagte, dass ich nicht mein ganzes Leben nur auf unserem Baum leben möchte. Er war so böse, dass er mir eine Backpfeife verpasst hat und mich für 6 Tage in mein Zimmer verbannt hat. Von dort bin ich ausgebrochen, mit Hilfe einer Maus. Die hat mich an die Oberfläche gebracht und als wir gerade oben waren kam ein Adler und hat mich davon getragen.”

“Oh Grimmel welch ein Glück, dass das Schicksal dich zu mir gebracht hat. Ich dachte schon ich müsste bis an mein Lebensende in diesen Orchideen sitzen. Sie sind zwar wunderschön aber ich möchte doch auch wieder zu unserem Baum zurück.”

“Oh ja so geht es mir auch. Die große Welt ist schon sehr aufregend. Das wäre auf Dauer auch nicht das Richtige für mich. Jetzt müssen wir nur noch überlegen, wie wir hier wieder weg und zu unserem Baum kommen.”

“Wenn ich mich da einmischen dürfte..” räusperte sich eine Stimme. Verwundert sahen sich Grimmel und Grimmi um. Wer war das denn nun wieder? Schon wieder ein verlorener Grammie? Aber sie konnten niemanden entdecken. Sie schauten nach allen Seiten aber niemand offenbarte sich. Überall nur Blumen.

“Nun ja hier ihr Lieben. Schaut doch mal zu den Löwenmäulchen.”

Und wirklich, das Löwenmäulchen bewegte sein Mäulchen und sprach tatsächlich zu ihnen.

Beide hielten die Münder offen und waren gar zu erstaunt aber eigentlich war es auch doch wieder nicht so verwunderlich. Schließlich hatten beide heute schon die absonderlichsten Dinge erlebt.

“Wenn es euch beliebt die Münder wieder zu schließen und meinem Vorschlag zu lauschen..” sprach das Löwenmäulchen.

“Aber ja natürlich. Entschuldige bitte. Was für eine Idee hast du denn?”

“Also dann, wir Löwenmäulchen haben unseren Namen ja nicht nur wegen unserem Aussehen, sondern auch weil es uns hin und wieder erlaubt ist, uns in einen Löwen zu verwandeln. Das setzt aber voraus, dass die Umstände dieser Gestalt wirklich bedürfen.”

“Äm entschuldige bitte …”

“Ach ja, ihr möget verzeihen ich vergas mich vorzustellen. Mein Name ist Roy.”

“Wir sind Grimmel und Grimmi und freuen uns dich kennenzulernen. Also Roy, was heißt das die Umstände müssen dieser Gestalt bedürfen?”

“Nun man kann sagen, dass es einen guten Grund geben muss, damit ein Löwe wirklich gebraucht wird. Und dieser Grund darf nicht nur mir selbst nutzen, sondern muss auch anderen helfen. Und ich denke, dass wir uns in einer Situation befinden, in der diese Bedingungen zutreffen.”

“Das heißt du würdest dich in einen Löwen verwandeln und kannst uns so zu unserem Baum zurückbringen?”

“Ja genau, so könnte man es ausdrücken.”

“Oh das ist ja ganz wunderbar!” Freudestrahlend riss Grimmi ihre Arme in die Luft und begann herum zu tanzen.

“Ja ja es ist schon gut, bitte, bitte nicht diese Überschwänglichkeit. Davon wird mir ganz schwummerig. Da die Nacht schon naht, werden wir dieses Unterfangen auf den morgigen Tag verschieben.”

Dankbar zogen sich Grimmel und Grimmi zurück und suchten sich ein ruhiges Plätzchen, an den Wurzeln eines alten Olivenbaums, für die Nacht.

Am nächsten Morgen gingen sie zu den Löwenmäulchen und wohnten dem unglaublichen Moment bei, als Roy sich vor ihren Augen in einen wahrhaftigen Löwen verwandelte. Seine weiche Mähne glänzte in der aufgehenden Sonne und seine grünen Augen funkelten weise, als er die beiden auf seinen Rücken befahl und mit ihnen durch die Tore und über die Zäune sprang, hin zu ihrer Wiese.

Grimmels Baum war zuerst erreicht und er verabschiedete sich überschwänglich von Roy und Grimmi. Er war so überwältigt von all den Erlebnissen, das er vergas, dass er die beiden womöglich nie wieder sehen würde. Er kroch, beseelt von diesem Abenteuer durch die Mäusegänge zurück zu seinem Fenster, was noch immer offen stand und kuschelte sich in sein Bett, indem er sofort in einen tiefen Schlaf sank.

Er schlief lange und als er erwachte wurde im bewusst, dass er so wunderbare Wesen kennen gelernt hatte aber das sie fort waren. Tiefe Trauer stieg in ihm auf und er begann zu weinen. So laut und heftig, dass seine Familie in sein Zimmer kam. Seine Schwestern und Mutter trösteten ihn nach aller Kraft aber er konnte sich nicht richtig beruhigen. Auch sein Vater kam und sah seine Traurigkeit und er löste die Verbannung. Es war bereits der Vortag, vor dem großen Fest. Alle dachten, Grimmel wäre so traurig, weil er befürchtete nicht an dem Fest dabei sein zu dürfen. Niemand konnte ahnen worin der wirkliche Grund lag. Umso verwunderter waren sie, als Grimmel mit traurigem Gesicht auf dem Fest erschien. Aber es war keine Zeit um ihn zu hinterfragen, denn nun ging es daran den jungen Grammies ihre Partner zu präsentieren.

Dieser Moment fand an der Oberfläche statt und an den Wurzeln, die über der Erde waren. Diese Wurzeln bildeten eine Bühne, auf der die jungen Grammies dieses Baumes standen. Traditionell wurden die Partner von den anderen Bäumen der Wiese ausgewählt und als Grimmel an der Reihe war, seine Partnerin zu Gesicht zu bekommen, trat er nach vorne. Seine Knospe war blass, geknickt und zeigte wie wenig er sich auf diesen Moment freute. Aber als er den Namen seiner Auserwählten hörte, richtete er sich auf, öffnete weit seine Augen und suchte sie. Hinter dem Baum hervor trat Roy in seiner Löwengestalt, Grimmi auf seinem Rücken, die mit der Sonne um die Wette strahlte. Denn sie war tatsächlich seine Auserwählte. Grimmel rannte los und Roy beugte sein Löwenhaupt, um Grimmel auf seinen Rücken zu lassen. Nun herzten und umarmten sich die beiden, als gäbe es niemanden sonst auf der Welt.

Die anderen Grammies wunderten sich über dieses Spektakel aber da sie auch so ergriffen waren, fragten sie nicht nach dem Warum und so wurde es ein rauschendes Fest und ein ebenso rauschendes Leben für Grimmel und Grimmi, die die ersten waren, die den Heimatbaum jedes Jahr verließen, um nach einigen Tagen wieder zu kehren und so immer wieder erkannten, dass es hier doch am allerschönsten war.