Antifrühling

Nach einem langen und bitterkalten Winter freute ich mich, Klischee gemäß auf einen lauwarmen, bunten Frühling. Einen Frühling dessen Sonnenstrahlen einen schon morgens aus dem Bett locken und der einem die nötige Energie für´s kommende Jahr gibt.

Stattdessen beehren uns die Horen, Göttinnen der Jahreszeiten, mit Regen und Schnee. Die Tage diesen Jahres, an denen die Sonne über Köln lachte, lassen sich leicht an 1-2 Händen abzählen. Und als würde das nicht als Gute-Laune-Killer reichen, häufen sich die Hiobsbotschaften in den Medien: Den Kölner erschütterte vor geraumer Zeit der Einsturz des Historischen Archivs, womit allerdings sein Missmut zu den Kölner Verkehrs Betrieben (KVB) nur einmal mehr gesteigert wurde. Scherzhaft wird die Abkürzung KVB schon lange mit „Kölner Verbrecher Bande“ übersetzt. Der Einsturz des Archivs allerdings bringt endlich zum Vorschein was der Kölner schon lange wusste. Der Ausbau der Bahn Strecke, der sowohl zeitlich als auch finanziell längst überreizt ist, war und ist ein Schuss in den Ofen. Die Wut die dieses Ereignis in mir nach sich zog, wurde bald allerdings von neuen Wahnsinnsmeldungen in soziale Depression umgewandelt. In einem kleinen Ort Namens Winnenden erschießt ein Amokläufer 15 Menschen und anschließend sich selbst. Am Tag des Geschehens nehme ich die Tat in den Medien als nationalen Schock war. Die folgenden Tage weicht dieser Schock langsam der Überreizung und der Langeweile, durch die ständige Berichterstattung über den Amoklauf. Zeitung, Radio und Fernsehen kennen kein anderes Thema und selbst im Thema gibt es kaum Unterschiedliches. Bald entdecke ich mich, wie ich mit einer Freundin Witze darüber mache. Man wird so überreizt von solchen Meldungen, das man nicht anders kann als es ins Lächerliche zu ziehen. Anonsten würde einem nur noch das Schreien bleiben. Grönemeyer hat das so schön in einem Song formuliert: Lachen wenns zum Weinen nicht reicht.

Was mich aber am meisten ärgert sind die Meinungen der so genannten Fachleute. Wieder wird der Computer verantwortlich gemacht für alles. Dazu stehen Menschen im Fokus, die still sind und solche die Armee Kleidung tragen. Sicherlich lässt sich dabei ein Zusammenhang feststellen aber was mir viel entscheidender erscheint ist die psychische Ebene. Was treibt denn einen Menschen dazu, sein Leben vom Internet oder ähnlichem regieren zu lassen?

Ich denke, was uns dieses Schicksal zeigen soll, ist das Fehlen an Menschlichkeit. Eltern die ihre Kinder immer mehr sich selbst überlassen. Ausbildungsstätten deren Anspruch ausschließlich Leistung ist, Schüler nur noch baldiges Futter für die Wirtschaft. Ich vermisse das Interesse am Menschen. Die Medien stürzen sich auf die Zeichen, die den Täter charakterisieren. Ego-Shooter Spiele, Armee Kleidung oder Schützen-Vereine seien erste Anzeichen eines Amok-Läufers. Fast kommt es mir vor wie im Zeitalter der Hexenvertreibung. Rote Haare, Warze oder schwarze Katze und ab auf den Scheiterhaufen.

Harter Tobak der sich da anstatt des gewünschten Frühlings über unser Land legt. Ich bin es ja schon gewöhnt, von diesem Wetter in Köln nicht viel zu erwarten. Aber Dauerregen in Verbindung mit blinder Zerstörung küren diesen Frühling zu meinem persönlichen Antifrühling! Bleibt nur zu hoffen, dass es dieses Jahr beim Antifrühling bleibt.

Veronika der Lenz ist da

Nachdem ich die Hoffnung auf einen sonnigen, warmen Frühling aufgegeben hatte, überraschte mich das Wetter dann doch noch mit Sonne und einem kletternden Thermometer. Euphorisch zog ich einen Minirock an und verließ das Haus. Und nach spätestens 20 Metern wusste ich auch wieder, was der Winter für einen Vorteil hat. Die Gafferei hatte ich nämlich nicht sonderlich vermisst. Vor allem wenn es mit Gesabbere und sau blöden Kommentaren verbunden ist. Aber der Tag sollte noch weitere Überraschungen für mich bereithalten und mir zeigen was es heißt, wenn mir wirklich jemand „zu nahe“ kommt. 
Nachdem ich nämlich 3 Gaffer passiert hatte und in eine andere Straße einbog, hörte ich nur wie schmatzende und knutschende Geräusche in meine Richtung abgegeben wurden. Also solche von der Sorte Mann, die sich für den Nabel der Schöpfung halten. Eben jene, die denken jede Frau stürze sich sofort auf sie, wenn sie einem hinterher schnalzen als sei man eine Bordstein Schwalbe. Ich bemühte mich gar nicht hin zu sehen, wer da so herablassend zu mir herüber schmatzte, zückte bloß meinen digitus medius (auch Mittelfinger genannt) und hielt diesen in seine Richtung. Keine 2 Minuten später hörte ich quietschende Reifen hinter mir und kurz darauf fuhr ein Auto langsam an mich heran. Aus dem offenen Fenster des Fahrers hörte ich dann: „Ey du. Warum beleidischst du misch so?“ Es schaute mich ein arabisch wirkender Typ mit großen Augen an, dessen Mund sich zur Schmollschnute verzogen hatte. Nach einem flüchtigen Blick zu ihm, schaute ich wieder nach vorne und antwortete schnippisch: „Jedem das was er verdient.“ Er erzählte dann noch irgendwas von „ey guck disch doch ma an. Disch guck isch doch gar nisch an. Du Schlampe….“ Dann rauschte er ab.

Als ich dann in der Bahn saß, setzte sich ein Mann vor mich und trat mir dabei versehentlich auf den Fuß. Er entschuldigte sich sofort und ich winkte mit einem Lächeln ab. So schlimm war es ja nicht. Ich nahm auch gleich meine Lektüre wieder auf und beachtete ihn nicht mehr. Ich stieg später aus und ging in ein Geschäft, auf der Suche nach Wattestäbchen. Plötzlich steht der Typ aus der Bahn vor mir und fragt mich auf Englisch: „Can I ask you a question?“ Verdaddert antwortete ich nur „Why?“. Darauf wurde er etwas ungehalten was denn das why sollte. Ich versuchte ihm dann klar zu machen, dass ich ja nur wissen wollte, warum er mich anspricht. Er stotterte dann: „ Yes, you saw me in the train? You must have feel the importance of the spirit between us…“ bla bla. Ich erzählte ihm dann was von meinem „Boyfriend“ der Zuhause schon auf mich wartete. Zum Glück trollte er sich. Später auf der Arbeit wähnt ich mich in Sicherheit. Vollkommen darin vertieft den perfekten Pizzaboden aus einem Stück Teig zu rollen, tippte mich mein Arbeitskollege an: „Da steht ´n Kerl vor der Tür und glotzt dich die ganze Zeit an.“ Und tatsächlich stand da ein Typ, um die fünfzig Jahre und gaffte. Noch nicht mal da hatte man seine Ruhe. Seufzend beschwerte ich mich dann bei meinem Kollegen über die Gafferei der Männer. Der antwortete mir nur, dass wir Frauen das ja wollen. Ich konnte nur noch sagen: „Aber doch nicht so!“

Ja, was wollen wir Frauen denn jetzt? Natürlich ist es schön, wenn man merkt, dass man für Männer begehrenswert sein kann. Aber es gibt eben ein unausgesprochenes Gesetz, dass Frauen nicht aussprechen, weil sie es für zu banal halten um es zu formulieren. Daher kennen Männer es nicht. Es geht um das Gesetz des zu Nahekommens. Ein Pfeifen hinter sich zu hören oder ein wohlwollender Blick ist durchaus ein Kompliment. Aber wen jemand eintritt in die Persönlichkeit, sei es mit einem Blick, einem Spruch oder sogar mit Handgreiflichkeiten, dann ist das ein Verstoß gegen dieses Gesetz! Und dagegen sträubt sich die Welt der Frauen. Völlig zu recht wie ich glaube. Es ist halt wieder mal der kleine feine Unterschied, der den gemeinen Mann vom Gentleman unterscheidet. 
Da es in den meisten Fällen schon schwierig ist, den eigenen Mann von diesem unausgesprochenen Gesetz zu überzeugen, wird es unmöglich sein, die Männer der Straße damit vertraut zu machen. Es empfiehlt sich demnach sich ein bis zwei passende Sprüche für den Sommer zurecht zulegen und die bei Bedarf anzuwenden. Denn immer nur ignorieren ist erstens unbefriedigend und hilft zweitens auch nicht immer. In diesem Sinne empfehle ich, sich bloß nicht entmutigen lassen, was die knappe Sommerkleidung angeht. Viva el verano!