Liebe ist…


Darum ist der Geist einsam, weil ihn nur ein einziges belebt, das ist die Liebe. Die Liebe ist das All. Der Geist ist einsam, weil die Liebe alles allein ist. Die Liebe ist nur für den, der ganz in ihr ist. Liebe und Geist schauen sich einander an, denn sie sind in sich allein und können nur sich sehen. Bettina von Arnim: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde

So, oder in anderer romantischer Art, wird über die Liebe geschrieben. Sie ist das Größte in der Welt und kann alles Böse besiegen oder überstehen. 
Mit diesem Glauben werden wir groß. Wenn man erst einmal verliebt ist und „die Liebe seines Lebens“ gefunden hat, dann tritt man ein in das Paradies auf Erden. Aber wer sagt uns, dass Liebe nicht in ganz unterschiedlicher Art auftreten kann? Das jeder Mensch anders empfindet wenn er liebt?

Aber wie kann sich Liebe anfühlen? 
Ich empfinde es, als wäre ich an demjenigen festgebunden. Als verbände uns ein unsichtbares Band von ungeheurer Kraft, dass niemand zu trennen vermag. Was auch immer der Geliebte tut, man kann nicht loslassen. Bevor ich mir eingestehe, dass er nicht gut für mich ist, versuche ich krampfhaft alle positiven Seiten an ihm hervor zu heben. Oder ich verdränge was nicht gut ist. Ich schlucke meinen Ärger und meine Unsicherheit hinunter. Doch irgendwann kommt man an den Punkt, an dem man nicht mehr verdrängen kann. An dem runter Schlucken einen Brechreiz auslöst. Ich muss also die Augen wieder aufmachen, die so schön verschlossen waren hinter dem Schleier der Liebe. Und das schlägt ein wie ein Gewitter! Ich werde überschwemmt von Zweifeln, Ängsten und Wut. Jede Verletzung, jede Kränkung und Gemeinheit fällt mir plötzlich ein. Es ist als ob ich falle, einen steilen Berg hinab und auf jedem Felsvorsprung schlage ich auf. Ich bin verletzlich, instabil und so traurig. Jedes falsche Wort lässt mich ein Stück mehr zerbrechen.

Dieses Gefühl was ich beschreibe entstand, als mein Partner begann mich zum Ventil seiner Wut zu machen. Sein Leben ärgerte ihn und er fand wohl keinen anderen Weg als seinem Ärger über mich Luft zu machen. Ich machte alles falsch, schien für ihn unfähig zu leben und untreu musste ich natürlich auch sein. Seine Stimme, die vorher soviel Wärme, Frohmut und Optimismus hatte, war voll von Eifersucht, Bosheit, Ungerechtigkeit und Missgunst. Ich schien die Ursache seines Leidens zu sein. Was konnte ich tun? Was macht man in einer solchen Situation? Wenn Logik und gesunder Menschenverstand versagen, wie verhält man sich? Aus einem Ratgeber erfahre ich, dass nur er das Problem ist, es sich aber nicht eingestehen kann. Im Allgemeinen wird der Gang zum Psychologen empfohlen. Aber wie bringt man jemanden zum Psychologen der von seiner Psyche nichts wissen will? Geschweige denn die negativen Seiten seiner Psyche, nicht in seinen schlimmsten Albträumen erleben will? 
Es bleibt an mir hängen, bzw. tut es das, wenn ich mich dafür entscheide es mit ihm durch zustehen. Heilmittel sind meine Kraft, meine Zeit und Geduld und meine endlose Liebe.
 Es gibt mit großer Sicherheit Menschen die zu so einer Liebe fähig sind. Aber was ist, wenn man das nicht kann und auch nicht möchte? Das man vom Partner Eigenverantwortung erwartet und gesunden Menschenverstand?

Liebe bedeutet vor allem auch Enttäuschung! Der größte Hass wurde aus Liebe geboren. Soll es also die Liebe sein auf die wir bauen sollen? Soll Liebe das Heilmittel für alle Menschen sein?
 Aber doch scheint man sich keine Wahl zu lassen, denn schließlich liebt man und das allein reicht meistens aus, um alles Rationale über den Haufen zu werfen und sich für die Liebe zu entscheiden. Egal wie schwierig es wird. Liebe hat ihre Rechtfertigung in sich selbst. Man stellt sich einfach die Frage gar nicht, ob man kann oder nicht. Man macht es einfach! 
Aber was ruft dieses Gefühl hervor? Ist es unser Arterhaltungstrieb der uns dazu zwingt? Hormone und andere chemische Prozesse in unserem Körper? Ist es unser Unbewusstes? Oder ist es die Gesellschaft, die uns wieder einmal einen Floh ins Ohr gesetzt hat? Ich glaube die Mischung macht’s. 
Und eben das wird wohl die Einzigartigkeit dieser Gefühlsregung sein. Das Allumfassende, was eine unendliche Macht hat.

Adieu

Was für den Vogel die Kraft der Schwingen, das ist für den Menschen die Freundschaft: Sie erhebt ihn über den Staub der Erde. Zenta Maurina

In eben diesem Sinne, hatte auch ich eine Freundin. Zwischen dem 13. Und 21. Lebensjahr war sie wohl die wichtigste Person in meinem Leben! Aus einer Teenie-Freundschaft, die sich aufgrund von gemeinsamen Interessen und Gedanken aufbaute, wurde im Laufe der Jahre eine Seele, die in 2 Körpern wohnte. Und selbst die trennten sich nur wenige Meter voneinander. In unserem Wesen grundverschieden, schweißte uns vielleicht gerade das zu einem grandiosen Team zusammen. Sie war die Toughe, die Abends von zu Hause weg lief, um ins Jugendzentrum zu gehen und ich die Brave, die gern früh ins Bett ging. Dazu war ich unheimlich schüchtern, dass sich kaum einer an mich erinnerte. Sie dagegen war der Liebling von allen, die den Jungs reihenweise den Kopf verdrehte. Ihre Eltern waren sehr streng, meine hatten sich eher für die antiautoritäre Erziehung entschieden. Kurz, viel gegensätzlicher hätten wir nicht sein können.

Im Laufe der Zeit veränderten wir uns, gingen unterschiedliche Wege, aber an unserer Freundschaft änderte sich nichts. 
Dieses Gefühl einer Freundschaft, gerade in diesen schwierigen Jahren der Pubertät, war für mich mit das Schönste was ich erlebt hatte. Wahre Zuneigung, grenzenloses Verständnis, tiefe Geborgenheit und nie enden wollender Spaß sind nur einige Worte, die versuchen diese Beziehung zu beschreiben.
 Ich selbst stamme aus einer eher gefühlskalten, rationalen Familie, in der Wärme und Aufmerksamkeit ein Fremdwort sind. Außer meiner Oma hatte ich wirkliche, bedingungslose Zuneigung noch nicht spüren dürfen. Anne zeigte mir, dass selbst ich es Wert war, geliebt zu werden. In diesen Jahren war ich für jemanden wichtig. Ich hatte einen Lebenssinn, der über meine eigenen Interessen hinaus reichte. Ich erfuhr, was es heißt, nicht allein zu sein!
 Mit 18 wurde diese ohnehin schon innige Freundschaft noch inniger. Ich hielt es zu Hause immer weniger aus und blieb einfach immer öfter bei ihr. Bis ich mehr bei ihr, als in meinem zu Hause war. In ihrem 12 qm Zimmer wohnten wir, schliefen jede Nacht in einem Bett und der einzige Zeitraum, der uns wirklich voneinander trennte, war die Zeit auf der Toilette.

Auch der Rest unseres Lebens änderte sich. Wir fanden andere Freunde und wir entfernten uns mehr und mehr von unseren Schulfreunden. Wir feierten andere Partys und hatten andere Ideale. Schließlich kam es zum Bruch mit unserer Mädels Clique aus der Schule und so standen Anne und ich gegen den Rest der Welt. Aber das kümmerte uns nicht.
 Im Rückblick erlebe ich diese Zeit wie in einem Märchen. Verklärt aber wunderschön! Für mich hätte es zu diesem Zeitpunkt ewig so weiter gehen können. 
Aber das tat es nicht! Anne lernte ihren Freund kennen und innerhalb kürzester Zeit schlief ich alleine in ihrem Bett. Das war nun der Anfang vom Ende! Wir schworen uns zwar nach wie vor ewige Freundschaft aber wir merkten beide, wie sehr wir uns voneinander entfernten. Nach einer solchen Innigkeit ist der Versuch sich nur ein bisschen voneinander zu lösen, fast utopisch. Vor allem unter diesen Voraussetzungen! So entfernten wir uns mehr und mehr voneinander. Später zog sie nach Marburg, ich nach Köln. Spätestens ab diesem Zeitpunkt gab es für uns keine Schnittpunkte mehr.

Vergessen habe ich diese Zeit nie! Auch Anne war irgendwie nie weg, sie lebte nur in mir weiter. In meinem Herzen. Jedenfalls die Anne, mit der ich einst meine Seele teilte. Die wirkliche Anne war für mich zu einer Fremden geworden. Nur über Freunde hörte ich ab und an die Eckdaten ihres weiteren Lebens.
 Vor ca. 2 Monaten saß ich im Auto und hörte noch einige Sekunden eines Liedes, dass sie mir oft vorgespielt hatte. Ich hatte es seit vielleicht 10 Jahren nicht mehr gehört. Abends setzte ich mich vor´s Internet und suchte dieses Lied. Ich habe 2 volle Nächte damit zugebracht, dieses Lied zu suchen und ich behaupte mal von mir, dass ich ganz gut im Recherchieren bin. Doch es half alles nichts, ich fand es einfach nicht. Auch alle folgenden Versuche blieben ohne Ergebnis. Irgendwann gab ich es auf, aber vergessen konnte ich es nicht. Somit spukte mir auch Anne stetig im Kopf herum. Mir fielen wieder all die schönen Dinge ein, die wir erlebt hatten. Alles Mögliche erinnerte mich jetzt wieder an sie. Für ein paar Wochen war sie wieder mein ständiger Begleiter, wie vor 8 Jahren. Ein bisschen wunderte ich mich über ihre plötzliche Allgegenwärtigkeit.
 Jetzt erscheint es mir ganz logisch, dass ich mich so mit ihr beschäftigt habe. Denn es geschah Folgendes: Vor 2 Wochen, ich chattete mal wieder mit einem Kumpel aus der Heimat, fragte er mich nach ihr. Ich konnte ihm nur sagen, dass ich nichts Neues von ihr wusste. 2 Sekunden später rief er mich an.
„Setz Dich bitte, Anne hat sich das Leben genommen gestern Abend.“

Seitdem geht mein Leben zwar nahtlos weiter, aber das tut es nur nach außen hin. Es ist nicht, dass ich mich gräme oder vor Trauer zerfließe. Nein, gar nicht. Denn so drastisch dieser Schritt ist, ein Leben gehört immer nur dem Menschen, der es besitzt. Und jeder Mensch hat das Recht, das aus seinem Leben zu machen, was er für richtig und angemessen hält. Ich finde es unglaublich traurig, dass sie keinen anderen Weg mehr gesehen hat. Dass alles keinen Sinn mehr für sie gemacht haben muss. Dass es nichts Schönes mehr für sie im Leben gegeben haben muss. Ich frage mich bis heute, wie aus dem kämpferischen, jungen Mädchen ein Mensch werden konnte, dem sein junges Leben nichts mehr bedeutete. Ein bisschen schäme ich mich, dass wir keinen Kontakt mehr hatten. Fast fühle ich mich schuldig. Vielleicht, wenn unsere Freundschaft weiter Bestand gehabt hätte, wäre alles anders verlaufen. Aber vielleicht auch nicht!

Ludwig Binswanger, ein Schweizer Psychiater und Begründer der Daseinsanalyse, beschreibt in seinem Buch „Wahrheit und Existenz“ einen Kranken, der den Sinn des Lebens verloren hat. Dieser sagte: 
„Man ist auf der Welt, um den Sinn des Lebens zu finden; das Leben ist aber sinnlos deswegen will ich mich befreien vom Leben, um zu der Urkraft zurückzukehren. Ich glaube nicht an ein persönliches Leben nach dem Tod, sondern an eine Auflösung in die Urkraft.“ Wenn ich es so sehe, dann kann ich es etwas verstehen. Dann fällt es nicht ganz so schwer Adieu zu sagen, zu einem Menschen, der mir mein Leben um so viele schöne Stunden, Tage, Wochen, Jahre reicher gemacht hat! 
Anne, ich werde Dich immer in meinem Herzen und meinen Gedanken tragen. Dein Leben ist vergangen aber Deine Energie ist weiterhin hier und ich hoffe, dass Dir diese Art des Seins das Glück beschert, was Du Dir gewünscht hast!

Tabulos

Die Medien berichteten in den vergangenen Tagen vom Skandal Politiker Berlusconi. Diesmal allerdings nicht von einer neuen politischen Misere sondern von seiner Vorliebe für junge Mädchen. Seine Ehe steht vor dem Aus, weil Senior Berlusconi eine 18jährige italienische Schönheit seiner Familie vorzieht. Die Gründe dafür entziehen sich unserer Kenntnis, aber jeder von uns kennt das Klischee vom älteren Herren mit einer Affinität zu „jungen Dingern“. Was allerdings erst allmählich gesellschaftsfähig wird, ist die Vorliebe von jüngeren Männern zu älteren Frauen. Dabei glaube ich, dass hierin ein moralischer Vorzug zu erkennen ist!

Dazu ein Beispiel: 
Neulich traf ich mich bei einem Besuch in der Heimat mit meinem Freund Sebastian, den ich noch aus Schulzeiten kenne. Gemeinsam haben wir das eine oder andere „Gebiet“ erforscht. Bei einem gemütlichen Plausch, der mal wieder bis tief in die Abendstunden ging, erzählten wir uns all das, was wir vom anderen verpasst hatten. Und ich merkte bald, dass ich bei Sebastian so einiges verpasst hatte! Denn neben seinen bekannten Hobbys erzählte er mir von einer ganz neuen Vorliebe. Denn mein lieber Sebastian, der Traum aller Schwiegermütter (er ist höflich, unterhaltsam, nicht aufdringlich etc.), hat einen ausgeprägten Faible für ältere Frauen! Sein Beuteschema ist Mitte 40, er hat gerade seinen 25. Geburtstag gefeiert. Seine Liebsten nennt er „reif“ und gerät regelrecht ins Schwärmen, als er mir von seinem jüngsten Abenteuer erzählt. Er war Tango tanzen mit der Mutter eines Kommilitonen. Und die hat ihn im Anschluss nach allen Regeln der Kunst vernascht. Und jetzt treffen sich die beiden häufiger. Wenn sie zwischen der Arbeit gerade mal eine Stunde Zeit hat oder auf dem Weg zur Schule ist, wo sie ihre Tochter abholt.

Aber ich will natürlich alles wissen. Wann er das erste Mal etwas mit einer „Mutti“ hatte, wie er sie auch liebevoll nennt. Die erste „reifere“ Frau war die Mutter einer seiner Nachhilfeschüler (er war 21 und sie 40). Man kann jedoch nicht sagen, dass die Initiative von ihm ausgegangen wäre. Um ehrlich zu sein, hatte sie ihn zum ersten Mal nach Strich und Faden verführt. Sie war geschieden, also waren beide Singles und somit stand dem Ganzen nichts im Wege. „Mutti 1.0“ (so nannte Sebastian sie vor mir, da ich mir Namen so schlecht merke) hatte ihn an einem Nachmittag zur Nachhilfe kommen lassen. Kaum war die Nachhilfe zu Ende, hatte die Schwester von Mutti 1.0 ihre Tochter abgeholt und die beiden waren gänzlich allein. Die Affäre ging dann über 1 Jahr, wobei das Ganze ein etwas unschönes Ende genommen hat. Die Kleine hatte die beiden erwischt, als ihre Mutti vor ihm kniete…

Darauf folgten weitere Bekanntschaften mit älteren Frauen. Ihm wurde schnell klar, dass das ganze kein Ausrutscher war; es entwickelte sich zu einer Vorliebe. Beziehungen zu einer gleichaltrigen Frau hatte er seitdem nicht mehr. Nicht ohne guten Grund, wie Sebastian findet. Denn die Vorzüge von reifen Frauen liegen auf der Hand, wie ich dann auch einsehen musste. Sie haben mehr Erfahrung, sie sind unabhängig, stehen mit beiden Beinen im Leben und sind wahrhaft „starke“ Frauen. Was mein lieber Sebastian besonders herausstellt, sind die interessanten Gespräche die man mit ihnen führen kann. Und nicht zu vergessen, der Sex ist auch wesentlich besser. Kriterien für eine sexuell anziehende Frau sind für Sebastian nicht 90/60/90 und Wasserstoffblond, sondern die inneren Werte. Eine Frau, mit der er nicht auch ein Gespräch führen kann, kommt ihm nicht unter die Decke. Also eine Einstellung, die gegen das gängige Klischee vom Aufreißer-Macho geht. Keine schnelle Nummer, mit einem naiven Dummchen, sondern echt geforderter Anspruch. Aber es geht, und das sagt mir Sebastian ganz deutlich, schlicht und ergreifend um Sex. Eben kein Sex nach der platten Art und nicht bloße Triebbefriedigung. Warum Sebastian sich zu reifen Frauen hingezogen fühlt, konnte er mir nicht beantworten. Was er mir aber sagen konnte war, warum er den Sex einer Beziehung gerade vorzieht:

„Ein weiterer entscheidender Punkt ist, dass ich meine große Liebe verloren habe. Seitdem vergleiche ich jede Frau, die ich kennen lerne, mit ihr und wenn ich schon mein Herz nicht verschenken kann und will, warum dann nicht wenigstens guten Sex haben?!“ Und den hat man, laut Sebastian, eben mit reifen Frauen. „Ich weiß nicht wie weit meine Erfahrungswerte zu verallgemeinern sind, aber Frauen in meinem Alter sind wohl eher ein bisschen verklemmt oder haben nicht den Mut, um im Bett hemmungslos zu sein. Auf jeden Fall hat mich eine Frau in meinem Alter noch nie an den Eiern gepackt und gesagt: „Jetzt zeig ich dir mal wo es lang geht!““

Ich hoffe ja, dass die Welt mehr solche Männer in sich birgt die zeigen, dass der Mann zwar schwanzgesteuert ist, aber das trotzdem mit Niveau verbinden kann. Hierin meine ich auch den moralischen Vorzug zu erkennen, der im Gegensatz zum älteren Herren mit Faible für junge blonde Mädchen steht. Denn hierin erkenne ich echten Anspruch, Niveau und keinen feiges Machtgehabe. Und so wie es aussieht, scheint dieses Prinzip Neider im Macho-Kreis zu haben. Denn Sebastian berichtet mir von seinen „Jungs“ (die ich selbst noch all zu gut kenne und bezeugen kann, wie viel sich die werten Herren auf ihre Quoten der flachgelegten Frauen einbilden) und von dem Neid der aus ihren Augen tritt, wenn er von seinem Sexleben erzählt. Obwohl man diesen Herren wohl nicht zu erklären braucht, dass ein gutes Gespräch vor dem Sex wunderbar entspannend wirkt und einem den Gegenüber vertraut macht, so dass man viel leichter alle Hemmungen fallen lässt und den Mann auch irgendwann mal empfängt mit einem Hauch von Nichts bekleidet und sich ohne Worte auf die Knie sinken lässt und gerne tut, was Mann so gerne hat.

Antifrühling

Nach einem langen und bitterkalten Winter freute ich mich, Klischee gemäß auf einen lauwarmen, bunten Frühling. Einen Frühling dessen Sonnenstrahlen einen schon morgens aus dem Bett locken und der einem die nötige Energie für´s kommende Jahr gibt.

Stattdessen beehren uns die Horen, Göttinnen der Jahreszeiten, mit Regen und Schnee. Die Tage diesen Jahres, an denen die Sonne über Köln lachte, lassen sich leicht an 1-2 Händen abzählen. Und als würde das nicht als Gute-Laune-Killer reichen, häufen sich die Hiobsbotschaften in den Medien: Den Kölner erschütterte vor geraumer Zeit der Einsturz des Historischen Archivs, womit allerdings sein Missmut zu den Kölner Verkehrs Betrieben (KVB) nur einmal mehr gesteigert wurde. Scherzhaft wird die Abkürzung KVB schon lange mit „Kölner Verbrecher Bande“ übersetzt. Der Einsturz des Archivs allerdings bringt endlich zum Vorschein was der Kölner schon lange wusste. Der Ausbau der Bahn Strecke, der sowohl zeitlich als auch finanziell längst überreizt ist, war und ist ein Schuss in den Ofen. Die Wut die dieses Ereignis in mir nach sich zog, wurde bald allerdings von neuen Wahnsinnsmeldungen in soziale Depression umgewandelt. In einem kleinen Ort Namens Winnenden erschießt ein Amokläufer 15 Menschen und anschließend sich selbst. Am Tag des Geschehens nehme ich die Tat in den Medien als nationalen Schock war. Die folgenden Tage weicht dieser Schock langsam der Überreizung und der Langeweile, durch die ständige Berichterstattung über den Amoklauf. Zeitung, Radio und Fernsehen kennen kein anderes Thema und selbst im Thema gibt es kaum Unterschiedliches. Bald entdecke ich mich, wie ich mit einer Freundin Witze darüber mache. Man wird so überreizt von solchen Meldungen, das man nicht anders kann als es ins Lächerliche zu ziehen. Anonsten würde einem nur noch das Schreien bleiben. Grönemeyer hat das so schön in einem Song formuliert: Lachen wenns zum Weinen nicht reicht.

Was mich aber am meisten ärgert sind die Meinungen der so genannten Fachleute. Wieder wird der Computer verantwortlich gemacht für alles. Dazu stehen Menschen im Fokus, die still sind und solche die Armee Kleidung tragen. Sicherlich lässt sich dabei ein Zusammenhang feststellen aber was mir viel entscheidender erscheint ist die psychische Ebene. Was treibt denn einen Menschen dazu, sein Leben vom Internet oder ähnlichem regieren zu lassen?

Ich denke, was uns dieses Schicksal zeigen soll, ist das Fehlen an Menschlichkeit. Eltern die ihre Kinder immer mehr sich selbst überlassen. Ausbildungsstätten deren Anspruch ausschließlich Leistung ist, Schüler nur noch baldiges Futter für die Wirtschaft. Ich vermisse das Interesse am Menschen. Die Medien stürzen sich auf die Zeichen, die den Täter charakterisieren. Ego-Shooter Spiele, Armee Kleidung oder Schützen-Vereine seien erste Anzeichen eines Amok-Läufers. Fast kommt es mir vor wie im Zeitalter der Hexenvertreibung. Rote Haare, Warze oder schwarze Katze und ab auf den Scheiterhaufen.

Harter Tobak der sich da anstatt des gewünschten Frühlings über unser Land legt. Ich bin es ja schon gewöhnt, von diesem Wetter in Köln nicht viel zu erwarten. Aber Dauerregen in Verbindung mit blinder Zerstörung küren diesen Frühling zu meinem persönlichen Antifrühling! Bleibt nur zu hoffen, dass es dieses Jahr beim Antifrühling bleibt.

Veronika der Lenz ist da

Nachdem ich die Hoffnung auf einen sonnigen, warmen Frühling aufgegeben hatte, überraschte mich das Wetter dann doch noch mit Sonne und einem kletternden Thermometer. Euphorisch zog ich einen Minirock an und verließ das Haus. Und nach spätestens 20 Metern wusste ich auch wieder, was der Winter für einen Vorteil hat. Die Gafferei hatte ich nämlich nicht sonderlich vermisst. Vor allem wenn es mit Gesabbere und sau blöden Kommentaren verbunden ist. Aber der Tag sollte noch weitere Überraschungen für mich bereithalten und mir zeigen was es heißt, wenn mir wirklich jemand „zu nahe“ kommt. 
Nachdem ich nämlich 3 Gaffer passiert hatte und in eine andere Straße einbog, hörte ich nur wie schmatzende und knutschende Geräusche in meine Richtung abgegeben wurden. Also solche von der Sorte Mann, die sich für den Nabel der Schöpfung halten. Eben jene, die denken jede Frau stürze sich sofort auf sie, wenn sie einem hinterher schnalzen als sei man eine Bordstein Schwalbe. Ich bemühte mich gar nicht hin zu sehen, wer da so herablassend zu mir herüber schmatzte, zückte bloß meinen digitus medius (auch Mittelfinger genannt) und hielt diesen in seine Richtung. Keine 2 Minuten später hörte ich quietschende Reifen hinter mir und kurz darauf fuhr ein Auto langsam an mich heran. Aus dem offenen Fenster des Fahrers hörte ich dann: „Ey du. Warum beleidischst du misch so?“ Es schaute mich ein arabisch wirkender Typ mit großen Augen an, dessen Mund sich zur Schmollschnute verzogen hatte. Nach einem flüchtigen Blick zu ihm, schaute ich wieder nach vorne und antwortete schnippisch: „Jedem das was er verdient.“ Er erzählte dann noch irgendwas von „ey guck disch doch ma an. Disch guck isch doch gar nisch an. Du Schlampe….“ Dann rauschte er ab.

Als ich dann in der Bahn saß, setzte sich ein Mann vor mich und trat mir dabei versehentlich auf den Fuß. Er entschuldigte sich sofort und ich winkte mit einem Lächeln ab. So schlimm war es ja nicht. Ich nahm auch gleich meine Lektüre wieder auf und beachtete ihn nicht mehr. Ich stieg später aus und ging in ein Geschäft, auf der Suche nach Wattestäbchen. Plötzlich steht der Typ aus der Bahn vor mir und fragt mich auf Englisch: „Can I ask you a question?“ Verdaddert antwortete ich nur „Why?“. Darauf wurde er etwas ungehalten was denn das why sollte. Ich versuchte ihm dann klar zu machen, dass ich ja nur wissen wollte, warum er mich anspricht. Er stotterte dann: „ Yes, you saw me in the train? You must have feel the importance of the spirit between us…“ bla bla. Ich erzählte ihm dann was von meinem „Boyfriend“ der Zuhause schon auf mich wartete. Zum Glück trollte er sich. Später auf der Arbeit wähnt ich mich in Sicherheit. Vollkommen darin vertieft den perfekten Pizzaboden aus einem Stück Teig zu rollen, tippte mich mein Arbeitskollege an: „Da steht ´n Kerl vor der Tür und glotzt dich die ganze Zeit an.“ Und tatsächlich stand da ein Typ, um die fünfzig Jahre und gaffte. Noch nicht mal da hatte man seine Ruhe. Seufzend beschwerte ich mich dann bei meinem Kollegen über die Gafferei der Männer. Der antwortete mir nur, dass wir Frauen das ja wollen. Ich konnte nur noch sagen: „Aber doch nicht so!“

Ja, was wollen wir Frauen denn jetzt? Natürlich ist es schön, wenn man merkt, dass man für Männer begehrenswert sein kann. Aber es gibt eben ein unausgesprochenes Gesetz, dass Frauen nicht aussprechen, weil sie es für zu banal halten um es zu formulieren. Daher kennen Männer es nicht. Es geht um das Gesetz des zu Nahekommens. Ein Pfeifen hinter sich zu hören oder ein wohlwollender Blick ist durchaus ein Kompliment. Aber wen jemand eintritt in die Persönlichkeit, sei es mit einem Blick, einem Spruch oder sogar mit Handgreiflichkeiten, dann ist das ein Verstoß gegen dieses Gesetz! Und dagegen sträubt sich die Welt der Frauen. Völlig zu recht wie ich glaube. Es ist halt wieder mal der kleine feine Unterschied, der den gemeinen Mann vom Gentleman unterscheidet. 
Da es in den meisten Fällen schon schwierig ist, den eigenen Mann von diesem unausgesprochenen Gesetz zu überzeugen, wird es unmöglich sein, die Männer der Straße damit vertraut zu machen. Es empfiehlt sich demnach sich ein bis zwei passende Sprüche für den Sommer zurecht zulegen und die bei Bedarf anzuwenden. Denn immer nur ignorieren ist erstens unbefriedigend und hilft zweitens auch nicht immer. In diesem Sinne empfehle ich, sich bloß nicht entmutigen lassen, was die knappe Sommerkleidung angeht. Viva el verano!

Alltags-Killer Karneval

Karneval in Köln. Einwohnende fiebern dieser 5. Jahreszeit teils entgegen, teils wünschen sie sich ein schwarzes Loch in der Zeit, dass dieses Ereignis einfach verschluckt. So oder so ist es ein einschneidendes Erlebnis im Jahr, an dem niemand so leicht vorbei kommt.
 Ich selbst bin in den vergangenen Jahren, in denen ich hier lebe, dem Karneval mit gemischten Gefühlen entgegen getreten. Fast hat er mir manchmal Angst gemacht und ich bin Hals über Kopf geflüchtet. Mitten durch die verkleideten Massen, die aus dem Hauptbahnhof strömten.

Ich kenne den Karneval als „Fasching“, der ausschließlich in Turnhallen, Schulen und Gemeinschaftshäusern stattfindet. Und auch dort läuft das ganze recht zivilisiert ab. Mal abgesehen von denen, die sich nach den Sitzungen noch sinnlos betrinken. Aber dieser Kölner Karneval ist ein ziviles Natur Ereignis! Während acht langer Wochen, sieht man mehr und mehr verkleidete, erwachsene Menschen. Anfangs sitzen sie nur ruhig in der Bahn. Zu späteren Stunden sind sie auch schon mal heiterer. Aber was sich in den Tagen zwischen dem „Weiberfastnacht“ und dem Aschermittwoch abspielt, muss man selbst erlebt haben, um es als zivilisierter Deutscher glauben zu können. Schon am frühen Morgen dröhnt von überall her die eindeutige Musik. Von den Paveiern, den Bläck Föös, den Höhnern, den Räubern und wie sie sonst noch alle heißen. Die „Jecken“ bevölkern mehr und mehr die gesamte Stadt und bald fallen die unverkleideten Passanten mehr auf, als die Verkleideten. Beim Bäcker steht man neben Clowns und riesigen Bären. Männer verkleidet als Strip-Tänzerinnen sitzen mir in der Bahn gegenüber und ich komme aus dem Lachen nicht mehr heraus. Alle sind locker und gelöst. Fast jeder hält ein alkoholisches Getränk in der Hand, aber auch die die (noch) nüchtern sind, haben ein Lächeln auf den Lippen und man fühlt sich bereits hier, wie auf einer großen Party. Eine ganze Stadt im Ausnahmezustand. Auf den großen Plätzen geht es aber erst richtig los. Hier werden Singles schnell zu Pärchen und Gebundene vergessen mal schnell den Liebsten Zuhause. Fast könnte man meinen, böse Geister wären in die Feiernden gefahren. Anstand und Moral sind vergessen. Man hat das Gefühl alles hat nur darauf gewartet, sich endlich einmal fallen zu lassen. Kein Druck vom Chef, niemand kümmert sich um Abgabefristen. Eine Bevölkerung frei vom alltäglichen Muss. 
Das Erstaunliche daran ist, dass man zu keiner anderen Zeit so freundliche, herzliche Menschen in Deutschland findet. Das Volk hält hier zusammen. Jeder ist irgendwie ein Bekannter und nicht jemand der mir fremd ist. Es ist, als sei die Blase des Alltags, die sich um jeden herum befindet, geplatzt.

Kennt Ihr das? Wenn man sonst durch die Straßen läuft ist jeder isoliert. Ich fühle mich da manchmal wie in einer Blase. Die ist an Karneval plötzlich weg. 
Aber eben so schnell wie sie weg ist, ist sie auch wieder da. Die Blase. Denn bereits am Aschermittwoch ist mir jeder wieder fremd, den ich nicht kenne. Wenn mir jemand in der Bahn zu nahe kommt erntet der von mir einen bösen Blick und ich gehe schnell einen Schritt zur Seite. Das Lächeln im Gesicht der Menschen ist verschwunden, die Freude schien nie da gewesen zu sein. Jetzt ist der Himmel wieder sichtlich grau, alles ärgert mich. Der Alltag hat uns wieder. 
Zu dieser Zeit merke ich ganz deutlich, was das eigentlich bedeutet Alltag. Welche Macht er über uns hat und wie traurig es ist, wenn wir nichts anderes mehr kennen als den Alltag. Es wird mir bewusst, dass Karneval nicht nur was für Spießer ist, die es nur einmal im Jahr schaffen Spaß zu haben und sonst zum Lachen in den Keller gehen. Es ist einfach eine Volks-Gehirnwäsche und zwar eine wundervolle! Denn was schafft es sonst, einer ganzen Stadt den Alltag zu nehmen?!